Die große CBD-Studien-Übersicht (Teil II)

Februar 18, 2022 5 min Lesezeit

Die große CBD-Studien-Übersicht (Teil II)

In unserem letzten Post ging es bereits um die Erkenntnisse vieler Studien in den Bereichen Schmerzen, Psyche und Schlaf. Diese Woche interessiert uns die Studienlage bezüglich des Coronavirus und der Wirkung von CBD bei Tieren. Wir wollen gar nicht lange um den heißen Brei reden und legen direkt los.

 

Cannabinoide

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Wort „Cannabinoid“? Es handelt sich dabei um eine heterogene Stoffgruppe, die in Cannabis vorkommt, aber auch in anderer Form im menschlichen Körper zu finden ist. Die Hanfpflanze (Cannabis Sativa L.) enthält über 100 Phytocannabinoide. Sie sind für die Abwehr von Fressfeinden, Bakterien und Pilze zuständig. Die bekanntesten Cannabinoide sind Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Auch Säugetiere bilden körpereigene Cannabinoide - die sogenannten Endocannabinoide. Sie bewirken keinen Rausch, sind jedoch für die optimale Funktion des neuralen Netzwerks wichtig. Die wichtigsten und bekanntesten Endocannabinoide sind Anandamid und 2-Arachidinylglycerol (2-AG). Bezugnehmend auf das Thema „CBD und Corona“ interessieren uns vor allem die Cannabinoidsäuren. Diese sind die Vorstufe der uns bekannten Cannabinoide und weisen teilweise antibiotische Wirkungen auf. Cannabinoidsäuren verwandeln sich in Cannabinoide, sobald eine Decarboxylierung (z.B. durch Erhitzen) stattfindet.

 

Covid-19

Das scheinbar endlose Thema „Corona“ ist nach fast zwei Jahren vermutlich jedem ein Begriff. Inzwischen gibt es einige fundierte Impfstoffe, die den Menschen vor einem schweren Verlauf mit der Corona-Infektion schützen können. Auch an Medikamenten wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Doch gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den Körper für eine Infektion zu wappnen? Wir checken die Lage.


Cannabinoids Block Cellular Entry of SARS-CoV-2 and the Emerging Variants

Erschienen in:Journal of Natural Products (2022)
Autoren:Van Breemen, R., Muchiri, R., Bates, T., Weinstein, J., Leier, H., Farley, S., Tafesse, F.
URL zur Studie:https://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/acs.jnatprod.1c00946

Die momentan wohl bekannteste Studie zum Thema ist die von Van Breemen et al. Die Forschenden der Oregon State University und der Oregon Health & Science University fanden heraus, dass die Cannabinoidsäuren CBDa und CBGa bei der Infektion mit SARS-CoV-2 eine Schlüsselrolle spielen könnte. Diese Cannabinoidsäuren wiesen bei Screenings eine besonders hohe Affinität für das Spike-Protein des Coronavirus auf. Im Neutralisationstest fand man heraus, dass die beiden Säuren verhindern, dass das Spike-Protein in die menschliche Zelle eintritt. Das könne eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern. Die Forschenden betonen jedoch, dass sie eine CBDa- und CBGa-Therapie nur in Kombination mit einer Schutzimpfung als sinnvoll erachten.

 

Opportunities, Challenges and Pitfalls of Using Cannabidiol as an Adjuvant Drug in COVID-19

Erschienen in: International Journal of Molecular Sciences
Autoren: Malinowska, B., Baranowska-Kuczko, M., Kicman, A., Schlicker, E.
URL zur Studie: https://www.mdpi.com/1422-0067/22/4/1986

In präklinischen Studien stellte man fest, dass CBD diejenigen Proteine herunterregeln kann, die für den Viruseintritt verantwortlich sind. Darüber hinaus verhindert es die Reproduktion der Corona-Viren. Cannabidiol ist außerdem für seine Effektivität bei Atemwegserkrankungen bekannt, was Patienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus zugutekommen könnte. Präklinische Studien zeigten also, dass die Anwendung von CBD einen entzündungshemmenden und antioxidativen Effekt auf die vom Coronavirus betroffenen Organe hat. Dennoch gibt es hierzu kaum klinische Studien. Man ist sich nicht sicher, ob die Erkenntnisse präklinischer Studien auf klinische Studien übertragbar sind. Es braucht – wie so oft – wesentlich mehr Forschungsgrundlage. Erst dann lässt sich mit Sicherheit feststellen, dass CBD auch beim Menschen während bzw. vor einer Corona-Infektion hilft.

 

 

Tiere

Einige von Euch wissen vielleicht, dass man in unserem Onlineshop CBD-Öle für Tiere kaufen kann. Da sowohl Hunde als auch Katzen ebenfalls ein Endocannabinoid-System besitzen, kann CBD hier andocken. Das kann dem Tier in vielerlei Hinsicht helfen. Dennoch sind einige Frauchen und Herrchen noch ein wenig zögerlich, wenn es darum geht, dem Vierbeiner CBD zu geben. Aus diesem Grund werfen wir einen Blick auf die derzeitige Studienlage und klären, was Cannabidiol bei Hund und Katze bewirken kann.


Randomized blinded controlled clinical trial to assess the effect of oral cannabidiol administration in addition to conventional antiepileptic treatment on seizure frequency in dogs with intractable idiopathic epilepsy

Erschienen in: Journal of the American Veterinary Medical Association (2019)
Autoren: McGrath, S., Bartner, L., Rao, S., Packer, R., Gustafson, D.
URL zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31067185/

In dieser randomisierten klinischen Studie fanden die Forschenden heraus, wie CBD in Kombination mit konventionellen anti-epileptischen Behandlungen bei Hunden mit idiopathischer Epilepsie wirkt. Von einer „idiopathischen Epilepsie“ ist die Rede, wenn die Ursache der Krampfanfälle ungeklärt bleibt. Hierfür wurden 26 Hunde zufällig in eine CBD-Gruppe (n=12) und eine Kontrollgruppe (n=14) aufgeteilt. Die Hunde, die der CBD-Gruppe angehörten, erhielten für 12 Wochen zweimal pro Tag 2,5 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht. Das Cannabidiol verabreichten die Forschenden zusätzlich zur bestehenden Therapie mit Antiepileptika. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo unter denselben Bedingungen. Anschließend wurde die Anfallshäufigkeit, die Nebenwirkungen und die CBD-Konzentrationen innerhalb des Körpers zwischen beiden Gruppen vergleichen. Das Ergebnis: Die Hunde der CBD-Gruppe wiesen eine signifikante Reduktion der epileptischen Anfälle auf, im Gegensatz zur Kontrollgruppe. Die Besitzer bemerkten keine Verhaltensänderung. Die Hunde nahmen das CBD-Öl gut an und konnten es gut vertragen. Auch hier besteht weiterer Forschungsbedarf. Laut McGrath et al. sei es besonders spannend herauszufinden, ob eine höhere CBD-Dosis die Anfallshäufigkeit um mehr als 50% senken könnte. Darüber hinaus sind sich Deabold et al. sicher, dass die Anwendung von CBD bei erwachsenen Hunde unproblematisch sei.

 

Single-Dose Pharmacokinetics and Preliminary Safety Assessment with Use of CBD-Rich Hemp Nutraceutical in Healthy Dogs and Cats

Erschienen in: Animals (2019)
Autoren: Deabold, K., Schwank, W., Wolf, L., Wakshlag, J.
URL zur Studie: https://www.mdpi.com/2076-2615/9/10/832/htm

Da Katzen CBD anders absorbieren und abbauen als Hunde, untersuchte man an dieser Stelle die Wirkung nochmal genauer. Hierfür nahmen acht gesunde Hauskatzen in einem Alter von zwei bis sechs Jahren teil. Alle Tiere wogen zwischen 3,3 und 5,3 Kilogramm. Die Vierbeiner bekamen täglich 4 mg CBD-Fischöl pro Kilogramm Körpergewicht über einen Zeitraum von 84 Tagen verabreicht. Alle vier Wochen wurde den Tieren jeweils 5 ml Blut abgenommen, um ein komplettes Blutbild und ein Serumchemie-Panel zu erstellen. Alle Katzen wurden während der 12-wöchigen Studie über insgesamt 1.344 Beobachtungszeiträume zweimal täglich auf Anzeichen unerwünschter Ereignisse beobachtet. Die auffälligsten Nebenwirkungen waren vermehrtes Lecken (beobachtet in 35,4 % der Fälle) und Kopfschütteln (beobachtet in 25,2 % der Fälle). Andere Nebenwirkungen waren Würgen (beobachtet in 2,1 % der Fälle) oder Erbrechen von Nahrung, Galle oder Haarbällen (beobachtet in 1,1 % der Fälle). Während der 12 Wochen blieben sowohl Nahrungsaufnahme als auch Körpergewicht konstant. Untersuchungen zeigten keine körperlichen Anomalien oder Verhaltensänderung der Katze. Die Forschenden stellten fest, dass CBD Produkte für Katzen sicher ist. Dennoch scheinen Hunde nach wie vor Cannabidiol besser absorbieren zu können als Katzen. Die Serumchemie änderte sich nicht. Das ist ein gutes Zeichen, da es sich auf Toxizitätsbefunde bezieht. Dennoch empfehlen Deabold et al. kontinuierliche klinische Nachsorge bei einer Langzeitanwendung von CBD, wenn es sich um Tiere mit Vorerkrankungen handelt. Wichtig sei auch, die Wechselwirkung von Cannabidiol mit anderen Arzneimitteln zu untersuchen


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