Cannabis gegen Corona?

Januar 20, 2022 4 min Lesezeit

Cannabis gegen Corona?

Vor einigen Tagen veröffentlichten wir in unserem Magazin bereits einen Artikel, in welchem wir über eine neue Studie berichteten. Diese wurde Anfang Januar 2022 im Journal of Natural Products veröffentlicht.

Das Journal of Natural Products ist eine wissenschaftliche Fachzeitschrift, die das Fachgebiet Medizin und Pharmakologie behandelt. Herausgegeben wird die Zeitschrift von der American Chemical Society und der American Society of Pharmacognosy. Die jüngst veröffentlichte Studie „Cannabinoids Block Cellular Entry of SARS-CoV‑2 and the Emerging Variants” von van Breemen et al. machte Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Doch was wurde genau herausgefunden? Wir gehen der Sache heute etwas mehr auf den Grund.


Cannabinoidsäuren als Vorstufe von CBD

Bevor wir tiefer auf den Inhalt der Studie eingehen, möchten wir zuerst klären, was Cannabinoidsäuren sind. Wie wir bereits aus dem letzten Artikel wissen, besitzt die Cannabis sativa L.-Pflanze zahlreiche Cannabinoide. Darunter auch Cannabinoidsäuren wie CBDa (Cannabidiolsäure) und CBGa (Cannabigerolsäure). Beide Säuren werden auf natürliche Art und Weise von der Hanfpflanze gebildet und stellen die Vorstufe des uns besser bekannten Cannabidiol und Cannabigerol dar. Der Grund für die Umwandlung von CBDa und CBGa in CBD und CBG ist die sogenannte Decarboxylierung. Hier verlieren die Cannabinoidsäuren ein Kohlenstoffatom und zwei Sauerstoffatome. Dadurch wird CO2freigesetzt und es entstehen die Cannabinoide CBD und CBG. Eine Decarboxylierung findet beispielsweise beim Erhitzen von Cannabisprodukten statt.


Verhindern Cannabinoide, dass Corona in den Körper gelangt?

Die Basics zu Cannabinoidsäuren sind nun bekannt, aber was hat das mit SARS-CoV-2 zu tun? Die Forschenden der Oregon State University und der Oregon Health & Science University entdeckten, dass genau diese Cannabinoidsäuren der Hanfpflanze eine Affinität für das Spike-Protein des Coronavirus besitzen. Mithilfe von MagMASS (Magnetic Microbead Affinity Selection Screening) wurden Hanfextrakte auf Liganden, die sich an das Spike-Protein binden können, gescreent. Die beiden Cannabinoide mit der höchsten Affinität waren CBDa und CBGa. In Neutralisationstests fanden die Forschenden heraus, dass die Cannabinoidsäuren eine Infektion menschlicher Epithelzellen mit SARS-CoV-2 verhindern könnte. Außerdem konnten die beiden Säuren dafür sorgen, dass keine aktiven Erreger in die Zellen eintraten. Das gilt sowohl für die Alpha- als auch die Beta-Variante des Coronavirus.


Wie lässt sich diese Beobachtung erklären?

Wenn sich das virale Spike-Protein (SARS-CoV-2) an das Enzym ACE-2 (Angiotensin-konvertierendes Enzym 2) bindet, kann es in die menschliche Zellmembran eintreten. Dieser Vorgang führt schließlich zu einer Infektion mit dem Coronavirus. Um das zu verhindern, können Zelleintrittshemmer genutzt werden. Diese unterbinden nicht nur Infektionen, sondern federn auch den Verlauf bereits passierter Infektionen ab, da Viruspartikel daran gehindert werden, weitere Zellen zu infizieren. Dieser Ansatz der Unterbindung von sogenannten „Virus-Rezeptor-Interaktionen“ ist bei Erkrankungen wie HIV1 und Hepatitis C bereits erfolgreich.


Natur oder Chemie?

Auch wenn der kombinatorischen Chemie in der Pharmaindustrie mehr Beachtung geschenkt wird, ist die Natur eine Quelle einzigartiger chemischer Strukturvielfalt für neue Arzneimittelentdeckungen. Als Beispiel der Naturprodukte mit „Anti-Corona-Aktivität“ fungiert Panduratin – ein Wirkstoff der medizinischen Pflanze Boesenbergia rotunda. Diese soll vor allem in der Eintrittsphase und der postinfektiösen Phase mit dem Coronavirus unterstützend auf den Körper wirken, , so die Forschenden der vorliegenden Studie.

 

Vergleich mit anderen Forschungsergebnissen

Frühere Forschungen zu dieser Thematik berichten, dass CBD möglicherweise in der Lage ist, angeborene Immunmechanismen zu aktivieren. Diese könnten dann eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern. Dem gegenüber steht die Studie von van Breemen et al. Die Hemmung des Spike-Proteins durch Cannabidiol- und Cannabigerolsäure findet bereits beim bzw. vor dem Zelleintritt statt und nicht dann, wenn sich das Virus bereits im Körper befindet. Laut der Studie muss das jedoch nicht heißen, dass sich die Mechanismen gegenseitig ausschließen: Es sei nach wie vor möglich, dass mehrere Cannabinoide aus Pflanzenextrakten unabhängig voneinander wirken, um so die Verbindung des Coronavirus mit dem ACE-2-Rezeptor zu hemmen.

 

Was bedeutet das für CBD-Produkte?

Weiter oben ging es um die Bindungsaffinität von Cannabinoiden an das Spike-Protein des SARS-CoV-2 Erregers. Hier schnitten CBDa und CBGa durch eine besonders hohe Affinität sehr gut ab und sollen dadurch eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern können. Aber was bedeutet das nun für CBD-Öl, Blüten oder andere Produkte mit Cannabidiol? Die Forschenden fanden heraus, dass Cannabinoide wie THC, CBD, CBG und CBN nur geringe Bindungsaffinitäten aufwiesen. Daher bringt es nichts, wie wild Joints zu rauchen oder flaschenweise CBD Öl zu kaufen. Dennoch weisen unsere CBD- und CBG Öle Spuren von CBDa beziehungsweise CBGa auf. Eine andere Möglichkeit, die Cannabinoidsäuren aufzunehmen, ist das Aufbrühen von Hanftees. Der Kauf von CBD- und CBG Ölen und Hanftees sind derzeit die einzige legale Möglichkeit an CBDa und CBGa zu kommen.


Können Cannabinoide die Pandemie eindämmen?

Tatsächlich sind die Cannabinoide CBDa und CBGa eine realistische Möglichkeit, um das Coronavirus einzudämmen. Allerdings betonen die Forschenden, dass eine Behandlung mit den Cannabinoidsäuren nicht allein stehen sollte. Die Kombination einer Impfung mit einer Behandlung durch CBDa und CBGa könnte dahingegen dafür sorgen, dass das Virus schlechten Überlebensbedingungen ausgesetzt ist und sich die Wahrscheinlichkeit einer Infektion verringert. Das gelte auch für weitere Virusvarianten. Van Breemen et al. geben sich hier also zuversichtlich.


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